HAFXchange: “Ortsshuttle PLUS” geht als mögliche HAF-Anwendung für die Follower-Region Pongau aus dem ersten Regionaldialog hervor

Nach dem erfolgreichen Auftakt der Regionaldialoge unseres Lern- und Austauschprogramms “HAFXchange” in Hermagor ging es am 24. März 2026 in unserer Follower-Region Pongau weiter. Der knapp vierstündige Workshop in St. Johann im Pongau drehte sich um Anwendungsmöglichkeiten für HAF im Pongau. Zunächst wurden die im Montafon entwickelten Anwendungsfälle für HAF-Systeme reflektiert und diskutiert, bevor in zwei Kleingruppen eigene, spezifisch zur Follower-Region Pongau passende Use-Cases entwickelt wurden.

Der Regionaldialog zu hybriden und automatisierte Flotten stieß bei wesentlichen Akteur:innen aus dem Mobilitäts- und Tourismussektor im Pongau auf Interesse. Am Workshop nahmen neben Stephan Maurer (Geschäftsführer Regionalverband Pongau und Mobilitätszentrale) auch Vertreter:innen des Landes Salzburg, des Salzburger Verkehrsverbundes, der LEADER-Region Lebens.Wert. Pongau-Tennengau, der Wirtschaftskammer Salzburg (Fachgruppe Personenbeförderung) sowie von großen Tourismusbetrieben in der Region (Wagrain-Kleinarl und Snow Space Salzburg) teil. Als lokale Akteure nahmen der Bad-Hofgasteiner Bürgermeister Markus Viehauser sowie Hannes Rieser, Geschäftsführer des Tourismusverbandes St. Johann, den Workshop war. Das Teilnehmendenfeld wurde von Dagmar Lahnsteiner vom RSA iSPACE, einem hochkarätigen Salzburger Forschungsinstitut, komplettiert.

Als für die Region Pongau besonders relevante Use-Cases aus dem Montafon wurden das “Orts- und Gästeshuttle” sowie das “Werksshuttle” hervorgehoben. Tendenziell kritisch wurde die Anwendung “Versorgungssicherheit” gesehen. Im Pongau treten entsprechende Einsatzfälle eher selten auf und werden – so erforderlich – mit Helikoptern aus der Luft bewerkstelligt. Generell besteht im Pongau ein großes Interesse an Kombinationslösungen, die unterschiedliche Anwendungen in einem integrierten System vereinen. Großer Wert wird darauf gelegt, dass Mobilität als barriere- und diskrimierungsfreies Service verstanden und umgesetzt werden soll. Dies betrifft sowohl die Nutzbarkeit von Fahrzeugen – der Einstieg mit Rollstuhl, Kinderwagen etc. muss möglich sein – als auch den Buchungsprozess.

Zusätzlich zu den bestehenden Anwendungsfällen aus dem Montafon kristallisierte sich im Regionaldialog ein spezifischer neuer Use-Case für die Region Pongau heraus - dieser ist eine Kombination aus regionalen und lokalen Ansätzen an den beiden Workshoptischen:

Ortsshuttle PLUS: Aufbauend auf den guten Erfahrungen mit Bedarfsverkehren im Pongau (EFA Shuttle, W3 Shuttle) wird für den Pongau eine integrierte Mobilitätslösung angedacht, die lokale und regionale Anwendungen intelligent miteinander verknüpft. In Ergänzung eines klassischen Ortsshuttleangebotes mit 8-Sitzer-Fahrzeuge umfasst die Lösung zusätzlich große 50-Sitzer-Busse, die regionsübergreifend als flexibel einsetzbares Add-On-Modul genutzt werden können.

Die Basis des “Ortsshuttle PLUS” sind kompakte, per App oder telefonisch buchbare Kleinshuttles, die innerhalb der Gemeindegrenzen verkehren. Der Betrieb der Ortsshuttles erfolgt nach klar definierten Prinzipien: Fahrten können digital oder telefonisch gebucht werden, wobei die Fahrten priorisiert und gebündelt abgewickelt werden, um einen effizienten Betrieb zu ermöglichen. Die Bedienung erfolgt über fixe Sammel- bzw. Haltepunkte, wobei es Mindestdistanzen für Buchungen des Shuttles geben soll. Das Ortsshuttle-Angebot ist über den Tarif des Salzburger Verkehrsverbunds nutzbar und bietet zusätzliche Optionen wie Fahrrad- und Gepäckmitnahme, den Transport von Kinderwagen oder Rollstühlen. Zusätzlich stehen mehrere größere Busse (bis zu 50 Sitzplätze) zur Verfügung, die regionsübergreifend als Ergänzung für Mobilitätsbedürfnisse genutzt werden, die höhere Transportkapazitäten erfordern: Im Werksverkehr in den frühen Morgenstunden oder bei späten Schichtwechseln, im Schüler:innenverkehr zu den Stoßzeiten in der Früh und am Nachmittag sowie für unterschiedlichste touristische Anwendungen (z. B. Gruppenfahrten), letztere insbesondere tagsüber und in Ferienzeiten. Das Angebot “Ortsshuttle PLUS” setzt auf eine hybride Flottenstrategie: Der Großteil der eingesetzten Fahrzeuge – sowohl die kleineren Shuttles als auch die größeren Busse – soll automatisiert betrieben werden. Ergänzend kommen einzelne konventionelle Fahrzeuge mit Fahrer:innen zum Einsatz, um im Fall von Assistenzbedarf ein barriere- und diskriminierungsfreies Angebot (u.a. Ein- und Ausstieg mit Rollstuhl, Kinderwagen etc.) sicherzustellen.

Im Fokus der weiteren Diskussionen stehen – ähnlich wie in anderen Regionen – die technischen Möglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen. Insbesondere für den Einsatz automatisierter Fahrzeuge werden zunächst klar definierte Einsatzgebiete und Betriebszeiten vorgeschlagen, um einen sicheren und schrittweisen Übergang in den Regelbetrieb zu ermöglichen. Auch die Ladeinfrastruktur wird von Beginn an mitgedacht: Als erforderlich gesehen werden sind zentrale Ladepunkte, etwa bei den Wirtschaftshöfen der Gemeinden, sowie perspektivisch der Einsatz von Wechsel-Akkus, um einen effizienten und durchgängigen Betrieb sicherzustellen.

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HAFXchange: Regionaldialog 1 in der Follower-Region Hermagor liefert spannende Ergebnisse