Anwendungsfälle
für hybride und automatisierte Flotten (HAF) im unseren Follower-Regionen
In der ersten Runde der Regionaldialoge mit unseren Follower-Regionen Hermagor, Gesäuse, Murau und Pongau im Frühjahr 2026 wurden die im Montafon entwickelten Anwendungsfälle (Use-Cases) für hybride und automatisierte Flotten (HAF) kritisch reflektiert und aufbauend darauf eigene regionsspezifische Anwendungen entwickelt.
Die vorhandenen Erfahrungen aus dem Car-Sharing-Projekt in der Region (FReD im Dorf) werden genutzt, um halbautomatisierte, geteilt nutzbare Fahrzeuglösungen bereitzustellen, die eine ökologischere und ökonomischere Alternative zum Zweit- oder Drittauto darstellen. Zielgruppe des Angebots sind Privatpersonen und Betriebe, wobei in bestimmten Fällen auch Tourist:innen das Angebot als Sekundärnutzer:innen in Anspruch nehmen können. Grundlage des “Nachbarschaftsautos 2.0” ist ein gemeinsames Autoleasing, das im Paket mit einem passenden Buchungstool angeboten wird. Das Auto kann in einem festgelegten Betriebsgebiet im Free-Floating-Prinzip als klassisches Car-Sharing (mit Lenker:in) genutzt werden. Die Innovation des „Nachbarschaftsautos 2.0“ ist, dass das Fahrzeug Fahrten auf bestimmten Routen selbstständig tätigen kann – etwa von und zu einem zentralen Ladepunkt, zum Bahnhof, zu einem touristischen Angebot oder einem Betrieb. Das zulässige Betriebsgebiet für das „klassische“ Car-Sharing sowie die Routen, auf denen automatisierte Leerfahrten möglich sind, werden zusammen mit Nutzungsbestimmungen („Fair-Play-Regelung“) in einem Rahmenvertrag festgehalten. Möglich ist darüber hinaus, gemeinsam fixe Zeitslots zu definieren, an denen das Fahrzeug automatisiert zu einem Abholpunkt fährt, also zum Beispiel genau zur Ankunftszeit von Pendler:innen- oder Schüler:Innen-Zügen vor Ort am Bahnhof ist. Das Angebot des “Nachbarschaftsautos 2.0” soll zunächst kurze, klar definierte Strecken automatisiert bedienen, um Evidenz für die weitere politische Diskussion zu automatisiertem Fahren zu liefern.
Region Hermagor (Kärnten) – Nachbarschaftsauto 2.0
Das “Johnsbach-Shuttle” ist als innovatives, nachhaltigere Mobilitätsalternative für die Erschließung des Nationalparks Gesäuse konzipiert. Es verbindet den Anspruch, ein bestehendes Mobilitätsproblem zu lösen, mit der Idee, ein neues Besuchs- und Nutzungserlebnis im sensiblen Naturraum zu schaffen. Im Zentrum steht ein klar definierter Korridor zwischen Admont und dem Bergsteigerdorf Johnsbach, der mit einem flexiblen Pooling-System bedient wird. Das bedeutet, dass alle Fahrten innerhalb des festgelegten Korridors (Bahnhof Admont - Bahnhof Gstatterboden, Bahnhof Johnsbach, Bergsteigerdorf) stattfinden, die konkrete Nutzung aber dynamisch gebucht und gebündelt werden kann. Bedarfshaltestellen sollen auch auf Kund:innenwunsch eingerichtet werden können. Besonders wichtig ist die Verknüpfung mit der Bahn, sodass der Bahnhof als zentraler Umsteigepunkt fungiert und der Individualverkehr im Nationalpark reduziert wird. Das System ist nicht nur auf klassische Personenmobilität ausgelegt, sondern kann auch Versorgungsfunktionen übernehmen, etwa für Lebensmittel, Medikamente oder Postzustellungen in abgelegene Bereiche. Dadurch wird das Shuttle zu einer Grundversorgungslösung für Bewohner:innen und Gäste gleichermaßen. Der Fahrzeugbetrieb und die technische Buchungsplattform sollen möglichst aus einer Hand stammen, also gemeinsam ausgeschrieben werden.
Region Gesäuse (Steiermark) – Johnsbach-Shuttle
Das “Æltern-Shuttle”+ ist ein multifunktionales, automatisiertes Mikro-ÖV-System für die gesamte Region Murau, das unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse in einem einzigen Angebot bündelt. Die Grundidee ist, dass ein und dasselbe Fahrzeug je nach Tageszeit und Bedarf völlig unterschiedliche Funktionen übernimmt und dadurch deutlich effizienter genutzt werden kann.
Am Morgen dient das System als Zubringer für Schüler:innen (und Pendler:innen), wodurch Elterntaxis reduziert werden und der Zugang zum öffentlichen Verkehr verbessert wird.
Im Laufe des Vormittags wechselt das Shuttle in den Modus eines flexiblen Mikro-ÖV-Angebots für Tourist:innen, die damit Ausgangspunkte für Wanderungen oder Freizeitaktivitäten erreichen. Zusätzlich wird dieser Zeitraum gezielt auch für die ältere Bevölkerung genutzt, etwa für alltägliche Erledigungen wie Einkäufe, Arztbesuche oder Besorgungen, wodurch ein barrierearmes Mobilitätsangebot entsteht, das besonders in ländlichen Regionen eine Versorgungslücke schließen kann.
Am Nachmittag steht erneut die Schüler:innenmobilität im Vordergrund, etwa für Heimfahrten oder den Transport zu außerschulischen Aktivitäten.
Abends und in der Nacht richtet sich das Angebot verstärkt an Jugendliche und Freizeitnutzer:innen, insbesondere im Zusammenhang mit Veranstaltungen, Vereinsaktivitäten oder der bestehenden, oft überlasteten Nightline-Struktur.
Technisch basiert das System auf einer Kombination aus fixen Haltepunkten, On-Demand-Buchung und einer intelligenten Steuerung der Nachfrage, wobei je nach Zeitfenster bestimmte Nutzer:innengruppen priorisiert werden können. So entsteht ein System, das sich dynamisch an die vorhandene Nachfrage anpasst, ohne den öffentlichen Linienverkehr zu ersetzen. Das Konzept ist als regionales Netzwerk mit mehreren Knotenpunkten (z. B. Bahnhöfen) aufgebaut und verbindet Gemeinden über flexible Routen und saisonale Anpassungen. Dadurch wird die stark zersiedelte Struktur der Region besser abgedeckt als durch klassische Linienverkehre.
Region Murau (Steiermark) – Æltern-Shuttle+
Aufbauend auf den guten Erfahrungen mit Bedarfsverkehren im Pongau (EFA Shuttle, W3 Shuttle) wird für den Pongau eine integrierte Mobilitätslösung angedacht, die lokale und regionale Anwendungen intelligent miteinander verknüpft. In Ergänzung eines klassischen Ortsshuttle-Angebotes mit 8-Sitzer-Fahrzeugen umfasst die Lösung zusätzlich große 50-Sitzer-Busse, die regionsübergreifend als flexibel einsetzbares Add-On-Modul genutzt werden können. Die Basis des “Ortsshuttle PLUS” sind kompakte, per App oder telefonisch buchbare Kleinshuttles, die innerhalb der Gemeindegrenzen verkehren. Der Betrieb der Ortsshuttles erfolgt nach klar definierten Prinzipien: Fahrten können digital oder telefonisch gebucht werden, wobei die Fahrten priorisiert und gebündelt abgewickelt werden, um einen effizienten Betrieb zu ermöglichen. Die Bedienung erfolgt über fixe Sammel- bzw. Haltepunkte, wobei es Mindestdistanzen für Buchungen des Shuttles geben soll. Das Ortsshuttle-Angebot ist über den Tarif des Salzburger Verkehrsverbunds nutzbar und bietet zusätzliche Optionen wie Fahrrad- und Gepäckmitnahme, den Transport von Kinderwagen oder Rollstühlen. Zusätzlich stehen mehrere größere Busse (bis zu 50 Sitzplätze) zur Verfügung, die regionsübergreifend als Ergänzung für Mobilitätsbedürfnisse genutzt werden, die höhere Transportkapazitäten erfordern:
Werksverkehr (ca. 04:30 bis 06:00, 19:00 bis 24:00)
Schüler:innenverkehr (07:00 bis 08:00, 13:00 bis 15:00)
touristische Anwendungen – z.B. Gruppenfahrten (v.a. tagsüber und in Ferienzeiten)
Für den Einsatz automatisierter Fahrzeuge werden zunächst klar definierte Einsatzgebiete und Betriebszeiten vorgeschlagen, um einen sicheren und schrittweisen Übergang in den Regelbetrieb zu ermöglichen. Auch die Ladeinfrastruktur wird von Beginn an mitgedacht: Als erforderlich gesehen werden zentrale Ladepunkte, etwa bei den Wirtschaftshöfen der Gemeinden, sowie perspektivisch der Einsatz von Wechsel-Akkus, um einen effizienten und durchgängigen Betrieb sicherzustellen.
Region Pongau (Salzburg) – Ortsshuttle PLUS