Überregionales Online-Austauschforum zu HAF in alpinen Tourismusregionen

Am 19. Juni 2026 hat die erste regionsübergreifende Veranstaltung des Lernprogramms HAFXchange stattgefunden. Das überregionale Online-Austauschforum ermöglichte einen offenen Austausch zwischen den fünf Fallbeispielregionen (Montafon, Gesäuse, Hermagor, Murau und Pongau). Zusätzlich wurden externe Fachexpert:innen, Mobilitätsdienstleister:innen und Multiplikator:innen eingebunden, die mit als Inputgeber:innen und Diskutant:innen fungierten. Mehr als 30 Vertreter:innen aus den HAF-ALP-TOUR-Regionen – aus Verwaltung, Tourismus, Verkehrsplanung, Mobilitätswirtschaft und Forschung – diskutierten gemeinsam mit externen Expert:innen und Multiplikator:innen aus Österreich und der Schweiz die Zukunft automatisierter Mobilität im alpin-touristischen Raum.

Ziel des Austauschforums war es, die Ergebnisse der ersten Runde der Regionaldialoge zusammenzuführen, aktuelle Entwicklungen im Bereich automatisierter Mobilität kennenzulernen und gemeinsam zu reflektieren, welche Anwendungen für HAF in den Fallbeispielregionen relevant sein könnten und welche Herausforderungen es zu bewältigen gilt.

In den vergangenen Monaten wurden in der Forerunner-Region Montafon sowie den Follower-Regionen Hermagor, Pongau, Gesäuse und Murau insgesamt 11 Anwendungsfälle für hybride und automatisierte Flotten entwickelt. Im Austauschforum wurden diese regionalen Use-Cases erstmals durch Vertreter:innen der jeweiligen Regionen in großer Runde vorgestellt. Die Spannweite der entwickelten Ideen reichte vom „Aktiv- bzw. Orts-Shuttle“ im Montafon, zum „Nachbarschaftsauto 2.0“ in Hermagor über das „Ortsshuttle PLUS“ im Pongau bis hin zum „Johnsbach-Shuttle“ im Gesäuse und dem „Æltern-Shuttle+“ in Murau. Trotz unterschiedlicher struktureller Voraussetzungen in den fünf Fallbeispielregionen offenbarte sich ein gemeinsamer Nenner: Automatisierte Mobilität wird vor allem dort als sinnvolle Ergänzung gesehen, wo bestehende öffentliche Verkehrsangebote die Bedienung der „letzten Meile“ nicht vollständig abdecken können.

Fachimpulse aus Österreich und der Schweiz

Fabian Heil von PostAuto Schweiz stellte das Projekt AmiGo vor, das in mehreren Kantonen der Ostschweiz die Ausrollung eines automatisierten On-Demand-Verkehrs vorbereitet. Das Unternehmen beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit dem praktischen Einsatz automatisierter Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr. Ab 2027 sollen in der Ostschweiz 25 autonome Fahrzeuge im Regelbetrieb unterwegs sein. Besonders deutlich wurde dabei, dass automatisierte Mobilität nicht als Konkurrenz zum öffentlichen Verkehr verstanden wird, sondern als Ergänzung für jene Räume und Tageszeiten, in denen klassische Linienangebote an ihre Grenzen stoßen. Gleichzeitig machte der Vortrag deutlich, dass die Einführung automatisierter Systeme weit mehr umfasst als die Fahrzeugtechnik. Die Erfassung und laufende Aktualisierung von Strecken, insbesondere in topografisch anspruchsvollen Regionen, stellt einen erheblichen Aufwand dar. Auch hohe Anfangsinvestitionen für Infrastruktur, Betriebskonzepte und Sicherheitsprozesse bleiben eine zentrale Herausforderung.

Einen Einblick in die österreichische Forschungspraxis gab Christoph Knauder von ALP.lab. Das Unternehmen mit Sitz in Graz ist österreichweit führend im Bereich Forschung und Test automatisierter Mobilität. ALP.lab unterstützt Forschungseinrichtungen, die öffentliche Hand und Mobilitätsanbieter:innen bei der Entwicklung, Erprobung und Implementierung (teil)automatisierter Mobilitätslösungen. Vorgestellt wurde das kürzlich gestartete Leitprojekt ROBERTA, das automatisierten Betrieb öffentlicher Busse in mehreren österreichischen Pilotregionen erproben soll. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur technische Fragen, sondern insbesondere Themen wie Flottenmanagement, Betriebsorganisation, Sicherheit, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die Integration automatisierter Fahrzeuge in bestehende Verkehrsangebote. Ziel ist es, Erkenntnisse für einen späteren breiteren Einsatz automatisierter Busse zu gewinnen und tragfähige Betriebsmodelle für den Alltag zu entwickeln.

Dominik Schallauer von der AustriaTech gab einen Überblick über die aktuellen regulatorischen Entwicklungen in Österreich. Die AustriaTech ist die Innovationsagentur des Bundes für Zukunftsthemen der Mobilität und begleitet in Österreich die Einführung automatisierter Mobilität aus strategischer, organisatorischer und regulatorischer Perspektive. Sie unterstützt das zuständige Bundesministerium bei der Entwicklung rechtlicher Rahmenbedingungen, begleitet Testprojekte und fördert den Wissenstransfer zwischen Forschung, Wirtschaft und Verwaltung. Aktuell werden die rechtlichen Grundlagen für Testbetriebe auf Automatisierungs-Level 4 und künftige Regelanwendungen automatisierter Fahrzeuge schrittweise weiterentwickelt. Deutlich wurde, dass automatisiertes Fahren zukünftig als Teil eines integrierten Mobilitätssystems gedacht werden muss. Neben technischen Fragen gewinnen Themen wie Genehmigungsverfahren, Sicherheit, Finanzierung, Datenschutz und Betriebsverantwortung zunehmend an Bedeutung.

Was braucht automatisierte Mobilität in alpinen Tourismusregionen?

Im zweiten Teil der Veranstaltung arbeiteten die Teilnehmer:innen in thematischen Gruppen zu den spezifischen Perspektiven von Gemeinden, Regionen, Mobilitätsdienstleister:innen und Touristiker:innen. Ein zentrales Ergebnis aller Diskussionsrunden war die hohe Bedeutung von Integration an Stelle von Insellösungen. Automatisierte Mobilitätsangebote sollen bestehende Systeme ergänzen und möglichst eng mit dem öffentlichen Verkehr, Bedarfsverkehren und Sharing-Angeboten verknüpft werden. Häufig genannt wurde die Erfordernis transparenter Buchungs- und Tarifsysteme, die den Zugang für Nutzer:innen möglichst niederschwellig gestalten sollen. Aus Sicht der Regionen wurden vor allem Chancen für die Sicherung der Daseinsvorsorge, die Verbesserung der Erreichbarkeit peripherer Räume sowie für eine stärkere gesellschaftliche Teilhabe hervorgehoben. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass automatisierte Angebote nicht zu zusätzlicher Zersiedelung führen oder bestehende Linienverkehre verdrängen dürfen. In der Runde der Mobilitätsdienstleister:innen wurde die Notwendigkeit neuer Ausschreibungs- und Betriebsmodelle betont. Künftig könnten automatisierte und konventionelle Angebote gemeinsam geplant und betrieben werden. Als entscheidend wurden dabei klare Zuständigkeiten, langfristig gedachte Finanzierungsmodelle sowie einheitliche digitale Schnittstellen angesehen. Für die touristischen Akteur:innen spielte insbesondere die Frage eine Rolle, wie Gäste künftig auch ohne eigenes Auto komfortabel mobil sein können. Als zentrale Anforderungen wurden Verlässlichkeit, einfache Buchbarkeit und Mitnahmemöglichkeiten für Gepäck oder Sportausrüstung genannt. Automatisierte Mobilitätsangebote könnten künftig dazu beitragen, die Abhängigkeit vom privaten Pkw zu reduzieren und gleichzeitig neue Zielgruppen anzusprechen. Voraussetzung dafür sind jedoch attraktive und benutzerfreundliche Angebote, die sich nahtlos in die bestehende touristische Mobilitätskette einfügen.

Fazit zum ersten überregionalen Austausch

Das Online-Austauschforum zeigte eindrucksvoll, dass die Diskussion über automatisierte Mobilität längst nicht mehr nur eine technische Frage ist. Vielmehr geht es um die Gestaltung zukünftiger Mobilitätssysteme, die den Bedürfnissen von Bevölkerung, Gästen, Betrieben und Regionen gerecht werden. Die Veranstaltung machte deutlich, dass in allen HAF-ALP-TOUR-Regionen großes Interesse an neuen Mobilitätslösungen besteht. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass erfolgreiche Anwendungen nur dann entstehen können, wenn Technik, Organisation, Rechtsrahmen und gesellschaftliche Akzeptanz gemeinsam gedacht werden. Der Austausch zwischen Regionen, Expert:innen und Anwender:innen erwies sich als wertvolle Grundlage für die nächsten Schritte im Projekt HAF-ALP-TOUR und als wichtige Vorarbeit für die strategischen Empfehlungen, die am Ende des Projektes formuliert werden sollen.

Weiterführende Informationen

AmiGO: https://www.postauto.ch/de/ueber-uns-und-aktuelles/innovation/automatisiertes-fahren/amigo

Leitprojekt ROBERTA: https://roberta-bus.at/

AustriaTech: https://www.austriatech.at/de/

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